Zur Geschichte der evangelischen Kirche in Degerloch

Um 800
Degerloch wird als "karolingische Rodungssiedlung", vermutlich von Möhringen aus, gegründet.

1100
Degerloch wird erstmals schriftlich erwähnt im Codex Hirsaugiensis.
Kirchlich gehört es seit seiner Gründung zu Möhringen.

1275
In Möhringen sind ein Priester sowie ein Vikar tätig.

Zwischen 1275 und 1360
muss in Degerloch eine Kapelle gebaut worden sein. Vermutlich war sie Maria geweiht. Zu den Sonntagsgottesdiensten, den Taufen, Trauungen und Begräbnissen müssen die Degerlocher jedoch weiterhin in die Martinskirche Möhringen gehen.

1361
Als erster Pfarrer und Vikar werden namentlich genannt:
Konrad, genannt Kemmlin, und Hermann, genannt Junge.

1468
Nach jahrhundertelangen, z.T. gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen der Freien Reichsstadt Esslingen, zu der Möhringen gehörte, und der Grafschaft Württemberg (Degerloch war württembergisch), wird Degerloch zu einer eigenen Pfarrei. Der Bischof von Konstanz stimmt zu, dass Graf Ulrich der Vielgeliebte die dazu notwendigen verwaltungsrechtlichen Regelungen trifft.

1534
Herzog Ulrich führt die Reformation in Württemberg ein. Balthasar Butz ist der erste evangelische Pfarrer in Degerloch.

1587
Der erste Schulmeister wird angestellt. Vorher bemühten sich die Pfarrer um Hebung der Bildung.

1621
Umbau und Erweiterung der Kirche durch Heinrich Schickhardt.

1635
Im Lauf des 30jährigen Krieges (1618-48) wütet die Pest in Degerloch. Im Jahr 1638 flieht die klein gewordene Gemeinde geschlossen nach Stuttgart, um sich vor der marodierenden Soldateska zu retten. Sie bleibt dort über ein Jahr lang.

1723
Wie in ganz Württemberg so wird auch in Degerloch die erste Konfirmation abgehalten: vier Söhne und fünf Töchter der Gemeinde werden am Sonntag nach Ostern (Quasimodogeniti) eingesegnet.

1889/90
Die alte Ortskirche von Degerloch wird teilweise abgetragen (sowohl das Kirchenschiff wie auch der Turm )? sodann in neuromanischem Stil größer wieder aufgebaut. Die Planung hat Oberbaurat Dr. Christian von Leins, die Bauleitung Architekt Heinrich Dolmetsch, beides weithin bekannte Kirchenbaumeister Württembergs im 19. Jahrhundert. Der Name Michaelskirche kommt erst im Lauf des 20. Jahrhunderts auf.

1908
Degerloch wird nach Stuttgart eingemeindet und nimmt einen großen Aufschwung.

1911
Nachdem die Zahl der Katholiken in Degerloch 200 überschritten hat, genehmigt Bischof Keppler, dass an Sonn- und Feiertagen in einem freistehenden Holzhaus des Sanatoriums Dr. Katz ein katholischer Gottesdienst stattfinden kann.

1927
Einweihung der nach Plänen von Professor Hugo Schlösser erbauten katholischen Mariä-Himmelfahrtskirche.

1929
Errichtung der Pfarrei Mariä-Himmelfahrt in Degerloch für die Katholiken des nördlichen Fildergebiets bis nach Kemnat und Plieningen.

1934
Die Hoffeldsiedlung ist stark gewachsen und erhält ein eigenes evangelisches Kirchlein.

1933-1945
Die nationalsozialistische Diktatur versucht, die Kirchen auf den rein gottesdienstlichen Bereich zurückzudrängen. So wird z.B. 1 936 die katholische Grundschule in Degerloch aufgelöst, nachdem schon 1 933 das Sommerfest der Mariä-Himmelfahrtsgemeinde verboten worden war.

1938
folgt ein Verbot aller öffentlichen kirchlichen Veranstaltungen wie Theaterabende, Passionsspiele, Lichtbildervorträge, Pfarrgemeindenweihnachtsfeiern. Die vielfach in Gestalt freier Vereine organisierte kirchliche Jugendarbeit wird vom Staat gleichgeschaltet oder verboten. In Degerloch überträgt der CVJM sein Freizeitgelände im Weidachtal auf die evangelische Kirchengemeinde, um es vor der Beschlagnahmung durch den Staat zu retten.

1938
gelingt es, mit der heute noch bestehenden Waldheimarbeit zu beginnen, nachdem schon 1935 der CVJM-Fanfarenzug zwangsweise in die Hitlerjugend eingegliedert und 1937 eine CVJM-Jungscharfreizeit von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) aufgelöst worden war. Kirchliche Jugendarbeit muss sich auf Bibelarbeit beschränken.

1944
Schwere Beschädigungen durch Fliegerangriffe an der Mariä-Himmelfahrtskirche. Bis zur notdürftigen Reparatur stellt die evangelische Michaelsgemeinde ihre Kirche spontan zur Verfügung. 1948 wird sie wiederhergestellt.

1948ff
Als nach dem 2. Weltkrieg Zug um Zug in Hohenheim, Möhringen und Sillenbuch katholische Kirchen gebaut werden, erhält die Pfarrei Mariä-Himmelfahrt ihre heutige Abgrenzung: Markung Degerloch mit Hoffeld, sowie Sonnenberg östlich der Peregrinastraße (insgesamt rund 4500 Mitglieder).

1953
Die evangelische Kirche auf dem Haigst wird eingeweiht. Die Pläne erstellt Architekt Lauxmann vom Bauamt der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Stuttgart. Die Gemeinde gehört, obwohl auf Degerlocher Markung liegend, kirchlich zu Stuttgart.

1955
Nachdem v.a. für Heimatvertriebene im Westen Degerlochs viel Wohnraum gebaut worden ist, wird 1954/1955 nach den Plänen von Dr. Walter Ruff, einem bekannten Kirchenbaumeister, die evangelische Heilig-Geist-Kirche erstellt.

1960
Einweihung der ganz im neuen Baustil (Beton, Zeltdach) gehaltenen evangelischen Versöhnungskirche am östlichen Waldrand Degerlochs.
Erbauer: der Degerlocher Architekt Hans Bregler.

1989
Einweihung der neuen, größeren evangelischen Kirche im Hoffeld. Architekt ist Professor Martin Stockburger.

2016
Abriss Michaelssaal neben der Michaelskirche. Baubeginn für das Haus der Evangelischen Kirche Degerloch.