Die Michaelskirchengemeinde Degerloch

Pfarrbezirke Michaelsgemeinde

Die Michaelsgemeinde umfasst drei Pfarrbezirke mit den Pfarrämtern
Michaelskirche I (z. Zt. vakant)
und Michaelskirche II (geschäftsführend, Pfarrer Albrecht Conrad)
und dem Vikariat (Julian Scharpf).

Der Grafik können Sie entnehmen, wie die drei Gemeindebezirke der Michaelskirche bis März 2018 aufgeteilt sind:
Michaelskirche I (grau hinterlegt) – z.Zt.vakant
Michaelskirche II (violett hinterlegt) – Pfarrer Albrecht Conrad
Vikariat (grün hinterlegt) – Vikar Julian Scharpf

Hier können Sie eine Straßenliste der Michaelsgemeinde herunterladen (PDF, 81 KB).

Mitten in Degerloch: die Michaelskirche

Michaelskirche Degerloch

Hier finden Sie Bilder von der Michaelskirche.
(c) 2014 Foto-Kunst Andreas Keller

Der Ort Degerloch wird im Jahre 1100 zum erstenmal im Codex Hirsaugiensis erwähnt (s. auch Geschichte). Die Ursprünge der Siedlung gehen auf eine karolingische Rodungssiedlung aus dem 9. Jahrhundert zurück.
Kirchlich gehörte der Ort zu Möhringen. In Degerloch selbst gab es wohl seit dem 13. oder 14. Jahrhundert eine Marienkapelle. Muttergemeinde und kirchliches Zentrum war jedoch Möhringen.

Baugeschichtliches
Im Jahre 1468 wird Degerloch zur eigenen Pfarrei. Aus diesem Anlaß wird nun eine erste Kirche gebaut. Sie ist "dem allmächtigen Gott und unserer lieben Frauen" geweiht, also eine Marienkirche. In den ersten Jahren ist die Kirche unbestuhlt. Im Jahre 1534 wird mit der Einführung der Reformation in Württemberg Balthasar Butz der erste evangelische Pfarrer in Degerloch. Er ist 24 Jahre lang als Seelsorger in Degerloch tätig. Auf der Pfarrtafel im nördlichen Seitenschiff sind die Namen der Degerlocher Pfarrer und Dekane seit Einführung der Reformation bis zum heutigen Tage verzeichnet. Wegen der neuen Form der reformatorischen Gottesdienste wurden in der Kirche Sitzgelegenheiten geschaffen. 1592 wurde eine Empore eingebaut, um den wachsenden Platzanforderungen gerecht zu werden.
Ein sehr einschneidender Abschnitt in der Kirchengeschichte war der 30-jährige Krieg. Durch Pest und Kriegswirren sank die Einwohnerzahl der Dorfes erheblich, ein Jahr lang suchte die Gemeinde sogar bei der Stadt Stuttgart Asyl. Der Abendmahlskelch, den Pfarrer Martin Bechler aus Anlaß des Friedens von 1648 stiftete, ist ein eindrucksvolles Zeugnis aus dieser Zeit - er wird bis zum heutigen Tage beim Abendmahl verwendet.
Schon zu Beginn des 30-jährigen Krieges, im Jahre 1621, wurde die Kirche nach Plänen des württembergischen Baumeisters Heinrich Schickhardt umgebaut und erweitert. Im Jahre 1740 wurde die erste Orgel eingebaut, sie hatte zwei Manuale und zwölf Register.
In der Folgezeit wurde die Kirche noch mehrmals umgebaut und vergrößert, bis man sich im Jahre 1889 entschloss, den alten Kirchenbau abzubrechen und durch einen Neubau zu ersetzen. Die Kirche wurde im neuromanischen Stil nach Plänen des Oberbaurats Christian von Leins unter der Leitung des Architekten Heinrich Dolmetsch neu erbaut. Der Gottesdienst zur Einweihung fand am 23. November 1890 statt.

Innenraum der Kirche
Während die äußere Gestalt dieses Bauwerks bis zum heutigen Tage fast unverändert erhalten blieb, wurde das Kircheninnere im Jahre 1961 nach Plänen von Professor Hans Seytter nochmals umgestaltet.
Einen Blickfang im Kircheninneren stellen sicherlich die Glasbilder im Chor dar. Sie sind ein Werk des im 2.Weltkrieg gefallenen Künstlers Walter Kohler, dessen Vater von 1922 bis 1934 Pfarrer an der Michaelskirche war. Die drei inneren Fenster aus den Jahren 1940 und 1941, jeweils von einer Grundfarbe geprägt, stellen Szenen aus dem Leben Jesu, seiner Leidensgeschichte und Gleichnisse Jesu dar. Die beiden äußeren Fenster stammen vom Sohn Walter Kohlers, Wolf-Dieter Kohler. Sie enthalten Szenen aus dem ersten und letzten Buch der Bibel. Sie wurden im Jahre 1964 eingesetzt. Das Kruzifix stammt noch aus der alten Kirche, es ist eine Arbeit aus dem Jahr 1740.
Der nischenartige Turmraum aus dem 15. Jahrhundert ist der älteste Teil des Innenraums. In ihm ist der erst vor einiger Zeit wiederentdeckte Taufstein der alten Kirche aufgestellt. Auch hat hier die "Chronik vom Kriegsleid unserer Gemeindeglieder aus Ost und West" ihre neue Heimat gefunden, die bis zum Jahr 2005 in der Heilig-Geist-Kirche auslag.
Ihren heutigen Namen "Michaelskirche" erhielt die Kirche erst um das Jahr 1949. Vorher hieß das Gebäude einfach "Degerlocher Kirche".


(Dr. Steffen Krämer, 2001; nach: Die Michaelskirche in Degerloch. Ein Gang durch die Kirche und ihre Geschichte, Rektor i. R. Karl Wais, Degerloch, 1970)